Mann, Erika

Stoffel fliegt übers Meer

Nachwort des Herausgebers Dirk Heißerer
S/W-Illustrationen von Ricky Hallgarten,
Fotos, Farbfrontispiz
128 Seiten, Geb. 
€ 9,80  SFr 18,00  *Ö-€ 10,00
(ISBN) 3-87410-087-1

Darin „kommt beinahe alles vor, was man sich wünschen kann. Es beginnt in einem kleinen Ort am See, auf dem der Stoffel Ruderboote vermietet, und es endet mit den Wolkenkratzern von Neuyork. Sturmwind, Geheimnisse, das große Abenteuer im Luftschiff, Freundschaft, ein kleines Mädchen, das Zieharmonika spielt, und ein großer Junge, der Detektiv werden will, liebe Eltern, die arm sind, obwohl sie eine Badeanstalt haben, und ein reicher Onkel, der zum Schluß kommt."
(So lautet der Waschzettel der Originalausgabe.)

Mehr läßt sich dem wohl nicht hinzufügen.

Stimmen zum Buch:

„Es war eine recht aufregende Geschichte." Elisabeth Mann Borgese, 1998

„Bezaubernder kann nicht leicht ein Jugendbuch sein als diese heiter-spannende, lichte herzensgütige Geschichte von Erika Mann. Sie ist von wirklicher Modernität, nicht etwa nur, weil Luftfahrt und New York ihre Rollen darin spielen, sondern weil die freudige Unbefangenheit der Erzählung, ihre freie, gegenwartsfrohe Art so ganz von heute sind(…)." Bruno Frank, 1932

„Alles ist mit einem reizenden Sinn für Spannung erzählt, man muß erwarten, daß die Großen an dieser Spannung nicht weniger entzündet teilhaben werden, als die Kleinen, denn dieses Buch ist auch ein Märchen für die Großen." Wilhelm Hausenstein, 1932

„…das schönste, reichste und wärmste Kinderbuch, das ich seit Kästners `Emil und die Detektive´ und Kiplings `Fischerjungs´ gelesen habe." Hans Reisinger in der BZ am Mittag, 1932

Biographie:

Erika Mann wurde 1905 als erstes Kind von Katia und Thomas Mann in München geboren. Zeitlebens blieb sie am engsten mit dem Jüngsten der sechs Geschwister, Klaus Mann, verbunden. Schon sehr früh entdeckte sie eine Leidenschaft für das Theaterspielen. 1924 bestand sie ihr Abitur und ging anschließend nach Berlin auf eine Schauspielschule. Seit 1928 schrieb sie für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. 1929 erschien Rundherum, indem sie über die Abenteuer einer Weltreise berichtet. 1933 emigriert sie mit ihrem gerade gegründeten Kabarett-Ensemble in die Schweiz. 1936 weiter nach Amerika, wo sich das Ensemble der „Pfeffermühle" auflöst. 1952 übersiedelte sie wieder nach Europa. Sie arbeitete in der Folge eng mit ihrem Vater zusammen, besah dessen Manuskripte, schrieb Drehbücher für die Verfilmung seiner Romane. Nach seinem Tod verwaltete sie seinen Nachlaß, wie auch den des 1949 verstorbenen Klaus Mann. Erika Mann starb 1969.

Bibliographie:

1929 Rundherum
1932 Stoffel fliegt übers Meer
1931 Jans Wunderhündchen
1934 Muck, der Zauberonkel
1942 A gang of ten
1953 Die Zugvögel Serie bis 1955

Ricky Hallgarten wurde 1905 als Sohn des Juristen und Germanisten Robert Hallgarten und seiner Frau, der Münchner Frauenrechtlerin und Pazifistin Constanze Hallgarten, geboren. Richard, genannt „Ricky" entschied sich für Malerei und Zeichnung. Erika Mann versuchte mehrmals, den von Mißerfolg geschwächten, depressiven und suizid-gefährdeten Freund, künstlerisch aufzufangen. Auch Stoffel fliegt übers Meer ist ein solcher Versuch. Doch der „Radikalismus des Herzens", wie Klaus Mann seinen Nachruf überschreibt, die depressive Haltung überwog. Ricky Hallgarten erlebte die Präsentation des Stoffel nicht mehr: er nahm sich am 5.Mai 1932 in Holzhausen am Ammersee das Leben.

Pressestimmen zur Neuauflage:

„Das Buch mit den liebenswürdigen Zeichnungen gefällt nicht nur den Kindern. Seine Realitätsnähe und Detailgenauigkeit bewirken, daß es auch Erwachsene mit Spannung lesen."
Bayerisches Fernsehen, LESE-ZEICHEN

„Es ist eine hinreißende Geschichte über den kleinen blinden Passagier, die Erika Mann … sich für ihre jüngeren Geschwister ausgedacht, aufgeschrieben und 1932 im Stuttgarter Verlag Levy und Müller als erstes von sieben Kinderbüchern veröffentlicht hat; … Jetzt liegt Stoffel fliegt übers Meer als schön gestaltete Neuauflage mit den originalen Illustrationen des Freundes Ricki Hallgarten vor. Dirk Heißerer hat es mit einem kundigen Kommentar zu Entstehung und Geschichte des Buches versehen…"
Literaturblatt für Baden und Württemberg

„Die phantasievollen Einfälle und die heitere Grundierung erinnern an die Kinderbuchklassiker eines Erich Kästner. Das heute 75 Jahre alte Buch bedient jedoch nicht nur die nostalgischen Gefühle von Alt und Jung, sondern bildet darüber hinaus, wie der Herausgeber Dirk Heißerer in einem informativen und mit einigen Fotos versehenen Nachwort darlegt, ein wichtiges Mosaiksteinchen im Gesamtbild der Künstlerfamilie Mann.…  (ab 10 Jahre und für Erwachsene)"
Süddeutsche Zeitung

Zeppelin zu Uncle Sepp
Erika Manns Kinderbuch

Ein Idyll, ganz beschaulich inmitten der Gipfel - der Blaubergsee. Aber drüben, am anderen Ufer, in Aschersried, da ist ein Glitzern und Leuchten in der Luft. Da funkelt das Blechdach einer riesigen neuen Halle. Und in der Halle, da schwebt das Luftschiff, der Zeppelin. Direktverbindung! Aschersried-New York!

Vorlesestoff aus dem Hause Mann: Stoffel fliegt übers Meer, für "Medi" und "Bibi", von Erika Mann, der großen Schwester. Das ist die Geschichte vom zehnjährigen schmuggelt und als blinder Passagier in den Zeppelin schmeißen lässt. Der mutige Knilch schwebt in familiärer Mission nach New York. Da wohnt sein reicher Onkel Sepp in irgendeinem der vielen Wolkenkratzer. Den muss er finden und ihm erzählen, wie schlecht die Geschäfte daheim am schönen See florieren - und dass endlich Schluss sein soll mit dem blöden Familienstreit zwischen seinen Eltern und dem Onkel in Amerika.

Ganz eigenartig, ganz reizvoll: Eine schöne Patina der Bravheit und ein erfrischendes Staunen über die Technik des Luftschiffes verweben sich in dieser Geschichte. Doris Wolters liest uns das vor, mit wohltemperierter Mimik in der Stimme, mit temperamentvollem Rollenspiel, mit dem erforderlichen Schuss Sachlichkeit. Liest so freundlich, wie die Welt dem tapferen Luftritter Stoffel sich am Ende zuneigen wird. Und auch "Neuyork" mag Stoffel, so wie Berlin den Emil.

Erika Manns erstes Kinderbuch erschien 1932, fünf Jahre nach ihrer Weltreise mit dem Bruder Klaus, drei Jahre nach der Weltluftfahrt des LZ 127, wunderbar illustriert vom Freunde Ricki Hallgarten.
 
Reinhard Osteroth in der Zeit vom 13.6.2001

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