Balve, Johannes

Goodbye Einstein?
Für eine neue Wissenskultur!
Vorwort: Klaus Landfried

204 Seiten
Englische Broschur, Gestaltung: Johannes Steil
19,90 € [D] 20,50 € [A] 33,50 SFr
(EAN ISBN) 978-3-87410-104-2

Biographie   Vorwort   Inhaltsverzeichnis   Pressestimmen

Meine Empfehlung betrifft das Buch von Johannes Balve: Goodbye Einstein? Für eine neue Wissenskultur. Johannes Balve war viele Jahre bei der OECD in Paris und hat ein derart breit angelegtes, aber gut lesbares Buch über die Defizite des deutschen Bildungssystems geschrieben, dass ich dem Buch ein Vorwort gewidmet habe. Der Schwerpunkt liegt bei Wissenschaft und Hochschule, er schaut sich aber genau auch die schulische wie die gesellschaftliche Umgebung an. Gefreut hat mich sein Akzent: weg von der öden Belehrung und hin zu eigenständigem Lernen.

Klaus Landfried
Ehem. Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz 
Empfehlung im holländischen Science Guide Newsletter

Lesen Sie Landfrieds neuesten ScienceGuide-Essay (deutsch) 'Hoe komen we aan goede arbeidskrachten' hier.


Siehe auch:
http://www.focus.de/wissen/campus/oecd-studie_aid_133245.html

Johannes Balve in der Zeitschrift Focus vom 8.5.08: 
Hochschul-Pisa - Kommt der Qualitäts-Check für Studenten?

Über das Buch

Wenn Wissenschaftler, Ingenieure oder Ärzte in die Arbeitslosigkeit abdriften oder ins Ausland gehen müssen, wenn sich also die Intelligenz aus Deutschland verabschiedet, dann hat das verheerende Konsequenzen für Wirtschaft und Wohlstand, Bildung, Kultur und Demokratie. Balve zeigt in seiner Streitschrift, wie organisierte Verantwortungslosigkeit dem Brain Drain, dem Intelligenzverlust, Vorschub leistet, indem Potentiale nicht genutzt und Ressourcen verschenkt werden. Dabei braucht unser Land selbst im internationalen Wettbewerb der Industriegesellschaften ein Vielfaches dessen, was an hochqualifizierten Akademikern und Wissenschaftlern aus unseren Hochschulen hervorgeht. Sein Buch befaßt sich mit den aktuellen Anforderungen an das Hochschulwesen, mit der besonderen Verantwortung der Hochschulbildung und Wissenschaft für den Bestand unserer Wissensgesellschaft und die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft. In der Hochschulbildung sieht er grundsätzlichen Erneuerungsbedarf. Die Voraussetzungen für jede höhere Bildung sind neben einer guten vorschulischen und schulischen Vorbildung günstige Einflüsse des Elternhauses und der kulturellen Umwelt. Kritisch beurteilt der Autor auch diese Grundlagen, insbesondere vor dem Hintergrund von Traditionsvergessenheit, Sprachverfall und dem Einfluß der neuen Medien. 

Nur durch eine weitgehende Unabhängigkeit von ungünstigen Einflüssen des Föderalismus, der Wirtschaft und ideologischer Interessengruppen kann sich eine freie Wissenschaft an den Hochschulen entfalten. Balve beleuchtet die Probleme, die sich aus bestehenden Strukturen und Mentalitäten für den Fortschritt der Wissenschaft ergeben. 
Er entwickelt Ansätze, wie die “befreite”, verantwortlich handelnde Hochschule zu einer breiten Erneuerung der Wissenskultur beitragen könnte. Und den Staat sieht er in der Pflicht, mit Hilfe einer effizienten Wissenschaftspolitik den Wissenschaftsstandort Deutschland international wettbewerbsfähig zu machen.
Mit Beispielen aus alternativen Wissenskulturen und Organisationsformen, auch im internationalen Vergleich, mit der Darstellung funktionierender Bildungstraditionen fordert Balve dazu auf, die sprachlichen und kulturellen Traditionen insgesamt zu erneuern und vernachlässigte Bildungswerte zu rehabilitieren.

Eine der Kernthesen des Buches ist, daß erst ein aus all dem resultierender Wertewandel in den Köpfen ein wissenschaftsfreundliches Klima schaffen kann. 

Biographie:

Johannes Balve, Jahrgang 1957, Dr.phil., lehrte als Germanist an Hochschulen in Deutschland, Italien, USA, Finnland, Frankreich und China und war für internationale Studien- und Austauschprogramme verantwortlich. In der Bildungsabteilung der OECD (Paris), zu der auch PISA gehört, koordinierte er die Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten, Hochschul- und Wissenschaftsorganisationen. Seitdem arbeitet er als Wissenschaftspublizist und Journalist in Berlin.

Vorwort von Klaus Landfried:

Johannes Balve macht sich berechtigte Sorgen um die Qualität der deutschen Hochschulbildung. Auch wenn er mit dem scharfen Blick des international erfahrenen (u. a. bei der OECD) Diagnostikers die vielen, zum Teil auch gravierenden Schwächen herkömmlicher Belehrung an Deutschlands staatlichen Universitäten bloßlegt, sein Ziel ist nicht so sehr der warnende Zeigefinger, sondern vor allem: uns endlich einen Weg zu einer „n e u e n Wissenskultur“ zu zeigen, die auch das Können einschließt, die auf Förderung des eigenständigen Lernens beruht und nicht auf bloßer Verabreichung von Wissen. Dabei meint der Autor das „Können“ von echten Persönlichkeiten, die Systemzusammenhänge wie Wertschöpfungs-Ketten begreifen und nicht immer nur auf ihr enges Spezialgebiet starren, Persönlichkeiten, die statt sich „Regelung, Spezialisierung und Kontrolle“ zu unterwerfen, gelernt haben, den Mut zu persönlich verantworteten Entscheidungen aufzubringen, auch wenn dies manchmal bedeutet, Muster zu brechen (ein Bild aus der Mathematik). An vielen Stellen zeigt Balve, wie treffend jener Satz des französischen Filmemachers Francois Truffaut die heutige deutsche Gesellschaft beschreibt: „In den Fußstapfen der Vorgänger kann man nicht überholen!“

Der Sturm des globalen Wettbewerbs wird von uns Deutschen, die wir immer noch, durch soziale Scheinsicherheit physisch wie psychisch betäubt, auf dem demographischen und damit wirtschaftlichen wie kulturellen Aussterbepfad herunterrutschen, viel mehr fordern als die gerade aktuelle „Frömmigkeit“ in Sachen eines vermeintlich möglichen Klimaschutzes. Johannes Balve hat seine Erfahrungen bei der OECD (u. a. der „Mutter“ der PISA-Studien) genutzt, um viele international vergleichende Daten und Perspektiven zu präsentieren. Er konfrontiert diese Daten mit der Wirklichkeit nicht nur der da und dort noch immer sich besser dünkenden universitären Subkultur, sondern auch der der Kindergärten, der Schulen, der Berufsbildung und des von den meisten Deutschen leider noch als bittere Pille vermiedenen, lebenslangen Lernens. Er lässt uns erkennen, wie töricht und kulturlos es ist zuzulassen, dass die deutsche Alltagssprache durch das oberflächliche und verdummende „Denglisch“ durchsetzt und durchdrungen wird. Und er hält den Bildungs-Föderalos in den deutschen Provinzen nicht nur ihre unglaubliche, kurzsichtige Beschränktheit vor, die in Brüssel oder sonst im Ausland nur schadenfrohem Spott begegnet, sondern vor allem auch ihre gewaltige Geldverschwendung. Letztere beruht u. a. darauf, dass Regeln zu erfinden (die meisten davon überflüssig) und deren Einhaltung zu kontrollieren, Tausende von überflüssigen Spezialisten mit Verfahren beschäftigt, die weder zu den so nötigen Erfindungen noch zu besserer Bildung beitragen. Man fühlt sich immer wieder an die ungeduldige Kritik Nietzsches erinnert, der als junger Basler Professor das sklerotisierte Bildungsphilistertum des 19. Jahrhunderts kritisierte. Keine schlechte Tradition fürwahr.

Auch um die in Deutschland im internationalen Vergleich viel zu geringen Investitionen in den Zukunftsfaktor Bildung, vor allem bei den Hochschulen (und Kindergärten) drückt sich Balve nicht herum. Keine Schonung erfahren die hohlen und unglaubwürdigen Lippenbekenntnisse der deutschen Politik (wie auch der Wirtschaft) zur zentralen Bedeutung des durch Bildung entstehenden und wachsenden „Humanvermögens“. Mit wenigen Verhältnis-Zahlen zeigt er die traurige Wirklichkeit: was die Finanzierung der Hochschulen angeht, besetzt Deutschland im internationalen Vergleich mit den wirklichen Konkurrenten, z.B. USA, Japan, China, Kanada, Schweden, Finnland, aber auch der Schweiz, nur hintere Ränge. Nur zur Illustration erwähnt Balve, dass wir Deutschen viermal soviel für unsere Renten aufwenden wie für unsere „Zukunftswerkstätten der Gesellschaft“, die Hochschulen. Gerne wird für allerlei gespart: fürs Häusle, fürs Auto, für die Fernreise, auch in Raten zahlt man gern für solche Zwecke ab. Aber bei einer Anlage in das eigene Wissen und Können, in Bildung also, die ja geistig wie materiell mehr als nur eine Rendite abwirft, heißt es, dafür könne man weder sparen noch Schulden machen. Die Deutschen sind schon merkwürdige Leute. Dass von Balve auch die Peinlichkeiten eines nur mühsam und viel zu dürftig finanzierten „Exzellenz-Programms“ aufgespießt werden, wird den Studenten z.B. in Aachen, Bochum, Dresden, Magdeburg, München, Regensburg gefallen, oder wo sonst es wegen des Milliarden-Staus bei der Gebäudesanierung seit Jahren ungerührt durch die Decken tropft. Aber es wird sie nicht trösten, dass auch hier die Politik bislang nur mit Gesundbeterei reagiert.

Bei aller kritischen Schärfe der Analyse: Johannes Balve will eine neue Wissenskultur. Und viele seiner Empfehlungen dazu verdienen Beachtung. Vor allem jene, die auf Ermutigung und noch viel mehr Eigenverantwortung (und bessere Arbeitsbedingungen) beim wissenschaftlichen Nachwuchs drängen, u. a. durch den längst fälligen Abbau der traditionellen deutschen Hierarchie-Welt. Denn nur so werden die klugen jungen Köpfe am endgültigen Abschied von Deutschland zurückzuhalten sein.

Lesen Sie dieses ungewöhnliche Buch eines engagierten, erfahrenen Idealisten. Lassen Sie sich anstecken von dem unerschrockenen Enthusiasmus eines Autors, der seinem Vaterland wohl will. Dass Sie dabei auch einmal kleinen Schwächen begegnen, sollte Sie beim Aufnehmen und Annehmen vieler wichtiger Erkenntnisse nicht beirren.

Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Landfried 
(*1941 Heidelberg), Professur für Politikwissenschaft an der Universität Kaiserslautern (1974–1987); Präsident der Universität Kaiserslautern (1987–1997) und der Hochschulrektorenkonferenz (1997–2003); Mitglied des Beirat des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung GmbH (seit 1994), des wissenschaftlichen Beirats zum „Bildungsbericht“ von Bund und Ländern (seit 2004).

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 7 
Einführung 11 
Szenario: Deutschland 2050 15
 
I. Historischer Rückblick 18 
1. Die Vertreibung der Intelligenz aus Deutschland – das Erbe des Nationalsozialismus 18 
2. Kriegsschäden am Kopf – der Zweite Weltkrieg und die Folgen 21

II. Der Status quo 23
1. Der Rang der deutschen Wissenschaft 23
2. Export von Wissensressourcen 27
Exkurs: Ein Fallbeispiel auswärtiger Wissenschaftspolitik 39
3. „PISA“ oder die unlesbare Welt 41
4. Wenn einem die Sprache vergeht 45
Exkurs: Beispiele auswärtiger Kulturpolitik 49
5. Englisch oder Denglisch? 50
Exkurs: Deutsch für Ausländer – ein Erfahrungsbericht 54
6. Der gesellschaftliche Wert von Bildung 55

III. Fit für die Zukunft? 61
1. Wissensgesellschaft im demographischen Umbruch 61
Exkurs: Bildungsweg eines künftigen Hoffnungsträgers 72
2. Information ohne Wissen? 73
3. Bildungssackgassen 83
4. Lehre und Forschung: gefesselt oder vogelfrei? 90
5. Die „Hydra“ des Föderalismus 99
6. Elite auf Deutsch – ein Mißverständnis 102
7. Staatlicher Reformeifer – eine negative Bilanz 109

IV. Plädoyer für die Erneuerung unserer Wissenskultur 113
1. Forderungen an die Politik 113
1.1. Standortsicherung im Wettbewerb um die besten Köpfe 113
1.2. Verantwortlicher Staat und starke Hochschule 123
2. Forderungen an die Hochschulen 130
2.1. Eigenständigkeit der Hochschulen 130
2.2. Gesellschaftliche Verantwortung 140
2.3. Grenzüberschreitungen 148
Exkurs: Ein Finanzierungsmodell – die französische Bildungssteuer („taxe d’apprentissage“) 154
3. Renaissance guter Bildungstraditionen 163
3.1. Bildungs- und Wissenschaftstugenden 167
3.2. Kulturpflege und Spracherhalt 174

Nachbemerkung 184
Anmerkungen 186
Literatur 199
Danksagung 203


Pressestimmen:

Rettet die Universität 
Unterfinanzierte Hochschulen, überfüllte Hörsäle, darbende Lehre, abwandernde Intelligenz und Elite-Träume: Bildungsexperte beklagt „organisierte Verantwortungslosigkeit” und fordert eine „neue Wissenskultur”
Von Christopher Onkelbach 

Essen. Die Hochschulen stöhnen unter den sich jagenden Bildungsreformen der Politik. Doch verbessert hat sich für die Studierenden dadurch bislang wenig. Ob Studiengebühren, Elitewettbewerb oder der Umbau der Studiengänge auf Bachelor/Master – in der Lehre sieht es düster aus. Mit Modularisierung, Leistungspunkten und studienbegleitenden Prüfungen sollte das deutsche Studiensystem modernisiert werden, doch es wurde komplizierter und für Studierende wie Professoren belastender. In der Einführung des Bachelorabschlusses erkennt mancher daher vor allem ein Ziel: mehr Studenten preiswerter und schneller durchs Studium zu bugsieren. Johannes Balve gehört zu den Experten, die das deutsche Hochschulsystem grundlegend und fundiert kritisieren. Der Abschied von der Einheit von Forschung und Lehre, der mit dem Bachelor praktisch vollzogen wurde, führt nicht nur zu einer problematischen Fixierung auf „Arbeitsmarktrelevanz”, sondern lenkt auch die Fördermittel in Forschungsbereiche, die Rendite erwarten lassen. Die Lehre kommt bei den Mittelzuweisungen auf Kosten der Studierenden zu kurz, so Balve. In seinem neuen Buch „Goodbye Einstein?” führt Balve auch aus, warum er mit Blick auf die darbende Lehre die allseits gelobte Exzellenzinitiative kritisch beurteilt. Sie verlangt von den beteiligten Universitäten, Schwerpunkte zu setzen und Kräfte zu bündeln, um so ein Profil zu entwickeln. „Das Prinzip der Universität als Dach aller Wissenschaften wird hierdurch nicht gestärkt”, stellt der Autor fest. Der Wettbewerb schaffe allein keine Elite, sondern schwäche das Hochschulwesen. Balve schreibt: „Es lohnt darüber nachzudenken (...), ob es nicht besser wäre, überzogene Erwartungen an Elite und Exzellenz aufzugeben und wenigstens einen guten Durchschnitt und damit den Erhalt einer flächendeckenden, guten akademischen Ausbildung zu garantieren.” Dies, so Balve weiter, könne dazu beitragen, das „Jahrhunderte alte Erfolgsmodell Universität am Leben zu erhalten”. Im allgemeinen Chor der neuerdings Elite-begeisterten Rektoren, Professoren und Politiker ist Balves Stimme sicher leicht zu überhören, daher aber vielleicht um so bedenkenswerter. Balve legt den Finger in die Wunden des deutschen Bildungssystems, beklagt seine im internationalen Vergleich dürftige Finanzierung – und zwar vom Kindergarten bis zur Hochschule. Mit einigen Leuchttürmen kann man im weltweiten Wettbewerb zwar Lichtpunkte setzen, doch ändert dies wenig an einem drängenderen Problem: Eine auf Wissen basierende Volkswirtschaft braucht ausreichend akademischen Nachwuchs, und hier bleibt Deutschland trotz aller politischer Lippenbekenntnisse weiter zurück. Balve fordert eine „neue Wissenskultur”, die Bildung ins Zentrum einer politischen Zukunftsplanung stellt, der es auf eigenständiges, freies Lernen und nicht auf Wissensproduktion und -abfrage ankommt. „Was wär, wenn nicht mehr der Lehrer, sondern das Bildungspotenzial des Schülers oder Studenten im Vordergrund stünde?” Balves Vorschläge sollten Anstoß sein zu einer ernsthaften Debatte über die Zukunft nicht nur der Bildung, sondern auch unseres Landes. »


Johannes Balve Goodbye Einstein? Für eine neue Wissenskultur, Kirchheim Verlag, 19,90 € 
Westdeutsche Allgemeine Zeitung 15.05.2008

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